Eine Geschichte über Freundschaft, eine Reise um die Welt in einer Plastiktüte und Figuren, die Kinder zum Nachdenken bringen: Die Zürcher Primarlehrerin Eleni Migliavacca schreibt und illustriert Bilder- und Kinderbücher, die mitten im Alltag beginnen. Im Gespräch mit Fashion World Biz erzählt sie, wie ihre erste Geschichte entstand, was sie Kindern mitgeben möchte und warum neben neuen Kinderbüchern auch ein Roman auf sie wartet.

Von der Primarschule zum eigenen Kinderbuch
Du lebst in Zürich, unterrichtest und veröffentlichst Kinderbücher. Wie sieht dein Alltag aus?
Ich bin seit über sechs Jahren als Lehrperson tätig und liebe meinen Beruf. Natürlich ist er manchmal anstrengend, aber es gibt mir unglaublich viel, mit den Kindern zu lernen, zu spielen und kreativ zu sein. Vor rund fünf Jahren habe ich begonnen, mich intensiver mit dem Schreiben und Veröffentlichen von Büchern zu beschäftigen. 2024 erschien mein erstes Bilderbuch Die silberne Plastiktüte, das ich selbst geschrieben und illustriert habe. Im Februar folgte mein zweites Kinderbuch, Stella sucht Freunde.
Du hast die Ausbildung zur Primarlehrperson gemacht. Welche Klassen unterrichtest du derzeit?
Die Primarschule umfasst in der Schweiz die erste bis sechste Klasse. Momentan habe ich wieder mit einer ersten Klasse begonnen, also mit Kindern um die sechs Jahre. Ich sehe meine Aufgabe zunehmend als die einer Bezugsperson mit Lehrfunktion. Lehrpersonen verbringen oft viele Stunden am Tag mit den Kindern. Deshalb ist es mir wichtig, ihnen auch zwischenmenschliche Werte zu vermitteln, sie zu bestärken und ihnen zu zeigen, dass sie gut sind, so wie sie sind.
Wie Stella zur Smaragdeidechse wurde
Weisst du noch, wie deine erste Kinderbuchgeschichte entstanden ist?
Meine Mutter würde wahrscheinlich sagen: «Sie war schon als Kind eine Märchentante.» So richtig angefangen hat es aber während eines Praktikums im Studium. Für den nächsten Tag sollte ich eine Geschichte über Streit und Freundschaft finden. Weil ich damals noch langsam las und es zu lange gedauert hätte, viele Geschichten durchzusehen, erfand ich kurzerhand selbst eine. Das war der erste Entwurf von Stella sucht Freunde. Stella war damals allerdings noch keine Smaragdeidechse, sondern eine Drachendame.
Später lasen Studierende die Geschichte, die ich auf einer Materialplattform geteilt hatte. Sie rieten mir, sie zu überarbeiten und zu veröffentlichen. Vor Stella erschien dann aber zunächst mein Buch über Umweltverschmutzung – und dafür fanden sich schnell interessierte Verlage.

Welche Themen möchtest du Kindern mit deinen Geschichten näherbringen?
Meist sind es Alltagsthemen, denen ich auch in der Schule begegne: Kinder, die ihren Abfall in der Zehnuhrpause nicht richtig entsorgen, wie in Die silberne Plastiktüte, oder Vorurteile gegenüber anderen, obwohl man sie gar nicht kennt – darum geht es in Stella sucht Freunde. Ich versuche, wichtige Botschaften in Kinderbücher zu verpacken. Geschichten können bei Kindern etwas bewirken, und Bilder bleiben oft länger im Gedächtnis als einzelne Worte.
Zwei Bücher, zwei wichtige Fragen
Worum geht es in deinen bisherigen Büchern?
In Die silberne Plastiktüte entsorgt Leon die Verpackung seines Pausenbrotes nicht richtig. Sie fliegt um die Welt, und viele Tiere versuchen, sie zu fressen. Schliesslich landet sie im Bauch einer Dorade – genau jener Dorade, die Leons Vater einige Tage später zum Abendessen servieren möchte. Eine alltägliche Umweltproblematik, die plötzlich ganz nah kommt.

Stella sucht Freunde ist ein Lesebuch über Freundschaft und Vorurteile. Die grüne Smaragdeidechse Stella macht sich auf die Suche nach einem Freund. Unterwegs begegnet sie vielen Tieren – doch immer wieder hält sie ein äusserliches Merkmal oder ein vorschnelles Urteil davon ab, eine Freundschaft zu beginnen. Ihre Reise führt sie bis nach Afrika. Am Ende erkennt Stella, dass sie sich geirrt hat.

Beide Bücher sind beim Bucherverlag erschienen. Sie können in Buchhandlungen und online bestellt werden – auch direkt über Elenis Onlineshop. Eine Mitarbeiterin von Orell Füssli schlug für beide Bücher einmal die Altersangabe «0 bis 99 Jahre» vor. Eine Mitarbeiterin bei Orell Füssli meinte einmal, beide Bücher könnten für «0 bis 99 Jahre» passen. Schliesslich gibt es auch Erwachsene, die Abfall in der Umwelt hinterlassen oder Vorurteile haben.
Mit Wasserfarben, Farbstiften und viel Geduld
Wie gehst du beim Illustrieren vor?
Zuerst fertige ich eine Skizze mit einem 2H-Bleistift an und arbeite sie anschliessend mit einem HB-Bleistift aus. Dann ziehe ich die Linien mit einem wasserfesten Fineliner nach, aquarelliere in mehreren Schichten und setze mit Farbstiften Akzente. Zum Schluss scanne ich die Illustrationen ein und passe kleine Details in Procreate an.
Auch ihre Arbeit in der Schule hilft ihr: Sie weiss aus dem täglichen Umgang mit Kindern, welche Wörter verständlich sind, welche sie aus dem Zusammenhang erschliessen können – und was sie lustig oder unterhaltsam finden. Dass ihre Bücher regelmässig aus der Schulbibliothek ausgeliehen werden und Kinder dazu Bilder gestalten, freut sie besonders. Auch die Quizfragen zu den Büchern auf Antolin wurden schon mehrfach beantwortet.

Ein Roman ist schon in Arbeit
Was steht als Nächstes an?
Ich arbeite derzeit an einem Roman. Das genaue Genre und weitere Details verrate ich noch nicht. Zwei weitere Kinderbuchideen habe ich ebenfalls schon. Ausserdem bereite ich Lesungen vor und arbeite an einer Förderkartei für die Primarschule, die im Rahmen meiner Weiterbildung zur Lehrperson für integrative Begabungs- und Begabtenförderung entstanden ist. Sie braucht noch den letzten Schliff – und das braucht Zeit.
Schreibzeit muss sich Eleni neben ihrem Beruf erst schaffen. Dazu tanzt sie etwa drei Abende pro Woche. Ihr Wunsch für die kommenden Jahre: regelmässigere Lesungen und feste Zeitfenster, in denen sie sich ihren Geschichten widmen kann. Die Kinderbuchwelt darf also gespannt sein – und vielleicht gibt es bald auch für erwachsene Leserinnen und Leser eine neue Seite von Eleni Migliavacca zu entdecken.
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