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Von Perfektion zu Persönlichkeit – warum Fashion und Beauty wieder Charakter zeigen

Von Perfektion zu Persönlichkeit – warum Fashion und Beauty wieder Charakter zeigen

MUA Dana Jokic und Model Vivienne Oesch

Lange Zeit schien in der Mode- und Beautywelt vor allem eines zu zählen: Perfektion. Makellose Haut, exakt definierte Konturen, symmetrische Frisuren und Looks, die bis ins kleinste Detail kontrolliert wirkten. Besonders durch Social Media entstand eine Ästhetik, in der Bilder zunehmend geglättet, Gesichter vereinheitlicht und individuelle Merkmale immer stärker zurückgenommen wurden.

Doch genau hier findet derzeit ein Wandel statt.

Fashion und Beauty entdecken Persönlichkeit neu. Nicht das vollkommen fehlerfreie Erscheinungsbild steht im Mittelpunkt, sondern der Mensch, der den Look trägt. Ausdruck, Haltung und Individualität werden wieder wichtiger als eine möglichst perfekte Oberfläche.

Ein Gesicht darf wieder Charakter haben.

Schönheit muss nicht mehr unsichtbar perfekt sein

Die vergangenen Jahre waren stark vom sogenannten „Clean Look“ geprägt. Natürlich wirkendes Make-up, glatte Haut, zurückhaltende Farben und eine fast schwerelose Ästhetik bestimmten viele Kampagnen und Social-Media-Feeds.

Natürlichkeit bleibt wichtig – doch sie bekommt eine neue Bedeutung.

Es geht weniger darum, so auszusehen, als wäre überhaupt kein Make-up vorhanden. Stattdessen darf Make-up wieder sichtbar gestaltet sein. Augen werden stärker definiert, Lippen bekommen Farbe, Konturen werden bewusster eingesetzt. Gleichzeitig darf die natürliche Struktur der Haut erhalten bleiben.

Poren, kleine Linien oder individuelle Merkmale müssen nicht vollständig verschwinden. Sie gehören zum Gesicht und machen es unverwechselbar.

Genau darin liegt heute ein großer Teil moderner Schönheit: nicht alles zu verändern, sondern das Vorhandene gezielt zu betonen.

Persönlichkeit entsteht durch Entscheidungen

Ein interessanter Look lebt nicht unbedingt von seiner Lautstärke.

Auch ein zurückhaltendes Make-up kann eine starke Wirkung entfalten, wenn es bewusst eingesetzt wird. Die Augenpartie kann zum Mittelpunkt werden, während die Lippen weich und natürlich bleiben. Oder ein einzelnes Schmuckstück übernimmt die Rolle eines visuellen Statements.

In den Aufnahmen mit Vivienne Oesch, für deren Styling, Make-up und Haare Dana Jokic verantwortlich war, lässt sich dieser Ansatz sehr schön erkennen.

Der Look wirkt zunächst klar, elegant und ausgesprochen hochwertig. Bei genauerem Hinsehen lebt er jedoch von den Details: den definierten Augen, den warmen Nuancen des Make-ups, der reduzierten Frisur und dem prägnanten Schmuck.

Nichts wirkt zufällig, aber gleichzeitig auch nicht überladen.

Gerade diese Balance macht moderne Beauty interessant.

Weniger Maske, mehr Gesicht

Eine der spannendsten Entwicklungen innerhalb der Beautywelt ist die Rückkehr zum individuellen Gesicht.

Make-up wird zunehmend nicht mehr dazu verwendet, alle Gesichter nach demselben Ideal zu formen. Stattdessen geht es darum, die jeweilige Physiognomie zu verstehen.

Welche Augenform soll betont werden?
Welche Gesichtspartie trägt besonders viel Ausdruck?
Welche Farben harmonieren mit Haut, Haaren und Styling?

Eine gute Make-up-Artistin gestaltet deshalb nicht einfach einen Trend nach, sondern übersetzt ihn auf eine konkrete Person.

Das Ergebnis sollte nicht zuerst das Make-up zeigen.

Es sollte den Menschen zeigen.

Auch Fashion wird persönlicher

Eine ähnliche Entwicklung lässt sich in der Mode beobachten.

Outfits werden wieder stärker als Ausdruck der eigenen Identität verstanden. Ein Look muss nicht zwangsläufig spektakulär sein, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Oft entsteht Spannung gerade durch Reduktion.

Das weiße Outfit auf einer der Aufnahmen von Vivienne Oesch ist ein gutes Beispiel dafür.

Die klare Silhouette, die reduzierte Farbgebung und das zurückhaltende Styling schaffen Raum für Gesicht, Haltung und Schmuck. Das Kleidungsstück dominiert die Person nicht – es unterstützt ihre Wirkung.

Auch das ist eine Form von Luxus.

Nicht möglichst viele Elemente miteinander zu kombinieren, sondern genau zu wissen, welches Element man weglassen kann.

Fotografie trägt dabei eine besondere Verantwortung

Gerade in der Fashion- und Beautyfotografie stellt sich zunehmend die Frage, wie viel Perfektion ein Bild überhaupt braucht.

Digitale Bildbearbeitung ermöglicht heute nahezu jede Veränderung. Haut kann vollkommen geglättet, Körperformen können verändert und Gesichter bis ins kleinste Detail korrigiert werden.

Technisch ist das möglich.

Ästhetisch ist es jedoch nicht immer sinnvoll.

Denn je stärker ein Gesicht perfektioniert wird, desto größer ist die Gefahr, genau das zu verlieren, was eine Aufnahme interessant macht: Persönlichkeit.

Eine gute Beautyfotografie muss deshalb nicht beweisen, wie perfekt Retusche funktionieren kann. Sie sollte vielmehr zeigen, wie Licht, Make-up, Styling und Ausdruck miteinander arbeiten.

Die Aufgabe der Fotografie besteht dann nicht darin, einen Menschen neu zu erfinden.

Sie besteht darin, ihn sichtbar zu machen.

Die neue Eleganz ist selbstbewusst

MUA Dana Jokic und Model Vivienne Oesch

Vielleicht lässt sich die aktuelle Entwicklung deshalb weniger als neuer Trend verstehen, sondern vielmehr als veränderte Haltung.

Schönheit darf wieder eindeutig sein.

Sie darf elegant sein, sinnlich, reduziert oder extravagant. Sie darf klassische Elemente aufnehmen und gleichzeitig modern wirken.

Vor allem aber darf sie individuell sein.

Das perfekte Bild ist deshalb vielleicht nicht mehr dasjenige, bei dem nichts auffällt.

Es ist das Bild, bei dem etwas hängen bleibt.

Ein Blick.
Eine Haltung.
Eine Bewegung.
Ein Detail.

Oder einfach eine Persönlichkeit.

Fashion braucht Charakter

Gerade in einer Zeit, in der Bilder in immer größerer Geschwindigkeit entstehen und konsumiert werden, gewinnt Individualität wieder an Bedeutung.

Ein technisch perfektes Bild kann beeindruckend sein.

Doch ein Bild mit Persönlichkeit bleibt im Gedächtnis.

Vielleicht ist genau das die spannendste Entwicklung in Fashion und Beauty: Wir entfernen uns langsam von der Vorstellung, dass Schönheit durch Vereinheitlichung entsteht.

Stattdessen entdecken wir wieder, dass Charakter nicht korrigiert werden muss.

Er ist oftmals genau das, was Schönheit überhaupt erst interessant macht.

Credits zu den Bildern:
Model: Vivienne Oesch
Styling, Make-up & Hair: Dana Jokic
Photography: Ralf Eyertt

eyertt

Mein Name ist Ralf Eyertt und ich bin der Initiator dieses Magazins.
Mein Fotografen Profil befindet sich unter http://ralf.eyertt.de

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