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Interview mit Ralf Eyertt im aktuellen Malvie Magazin

Fotograf, visueller Gestalter und Lichtmaler Ralf Eyertt spricht über die Entwicklung seiner Bildsprache – von der Schweizer Modewelt bis zur spirituellen Langzeitbelichtung. Ein Gespräch über Schönheit, Authentizität und künstlerische Neugier.

1. Ralf, deine Karriere begann im Marketing und in der Beratung, bevor du dich ganz der Fotografie und digitalen Medien gewidmet hast. Was hat diesen kreativen Wandel ausgelöst – und wie beeinflusst dein früherer Beruf deine Arbeit heute?

Ralf Eyertt:
Der Wechsel zur Fotografie war kein plötzlicher Bruch, sondern ein organischer Prozess. In meiner Zeit im Marketing und besonders im Künstler-Management – das ich bis 2005 betrieben habe – war ich intensiv mit visueller Identität beschäftigt. Irgendwann hat mich die emotionale und künstlerische Seite der Bildgestaltung mehr fasziniert als die strategische. Diese Erfahrung prägt mich bis heute: Ich denke in Bildern, die etwas erzählen und Wirkung erzeugen sollen.


2. Deine Erfahrung im Künstler-Management und in der Musikindustrie hat deine visuelle Handschrift stark beeinflusst. Wie hat dich diese Phase im Umgang mit Bildsprache und Markenidentität geprägt?

Ralf Eyertt:
Wenn man für das öffentliche Bild eines Künstlers verantwortlich ist, lernt man schnell, wie viel Macht ein einziges Bild haben kann. In der Musik müssen Bilder sofort funktionieren – wie ein guter Song. Diese visuelle Direktheit hat mich geprägt. Ich arbeite bis heute mit dem Anspruch, klare, erinnerbare Bilder zu schaffen, die mehr sind als schön – sie müssen Präsenz haben.


3. Während deiner Jahre in der Schweiz hast du mit namhaften Kunden wie H&M und dem Gala Magazin zusammengearbeitet. Welche Projekte oder Momente aus dieser Zeit waren stilprägend für dich?

Ralf Eyertt:
Die Zeit in der Schweiz von 2010 bis 2024 war unglaublich inspirierend. Mit Kunden wie H&M oder dem Fachmagazin Beauty Forum konnte ich eine Bildsprache entwickeln, die zwischen Präzision und Emotion balanciert. Für Beauty Forum habe ich regelmäßig Cover und Trend-Make-ups fotografiert – mit einem hohen Anspruch an Klarheit und Ästhetik. Später folgten freie Editorials für Gala Schweiz oder das Quatro Magazin unter der Leitung von Sabine Hauptmann – dort konnte ich konzeptioneller arbeiten. Diese Jahre haben meinen plakativen, grafischen Stil stark geprägt.


4. Du bist kürzlich nach Bayern zurückgekehrt und hast ein neues Studio eröffnet. Wie beeinflusst dieser Ortswechsel deine aktuelle Arbeit und kreative Ausrichtung?

Ralf Eyertt:
Die Rückkehr nach Taufkirchen/Vils – meinem ursprünglichen Wohnort – war eine bewusste Entscheidung. Seit Juni 2024 bin ich wieder hier, seit Februar 2025 habe ich mein neues Studio eröffnet. Es ist ein Ort der Ruhe und Konzentration, abseits vom hektischen Produktionsalltag. Ich arbeite hier nicht nur für Kunden, sondern auch intensiv an freien, künstlerischen Projekten. Die Landschaft inspiriert mich, mehr über Stille, Natur und Identität nachzudenken.


5. Deine Arbeiten sind bekannt für ihre klare, plakative Bildsprache – fast wie Poster. Wie hast du diese Ästhetik entwickelt?

Ralf Eyertt:
Meine Wurzeln im Grafikdesign und meine Liebe zur Reduktion spielen da eine große Rolle. Ich denke in Komposition, Licht und Fläche – und reduziere alles Überflüssige. So entsteht Raum für Emotionen. Ich möchte, dass der Betrachter sofort etwas spürt. Diese visuelle Klarheit – fast wie bei einem Plakat – transportiert die Essenz des Motivs ohne Umwege.


6. Du arbeitest oft mit der „Cat Lights“-Technik. Was macht diese Lichtsetzung für deine Porträts so wirkungsvoll?

Ralf Eyertt:
„Cat Lights“ sind zwei senkrecht gesetzte Striplights in einem bestimmten Winkel. Sie modellieren das Gesicht sehr präzise – betonen Wangenknochen und Augen auf eine elegante, fast katzenhafte Art. Das Licht ist kraftvoll, aber niemals hart. Ich kombiniere diese Technik oft mit klaren Hintergründen, um den Fokus ganz auf den Menschen zu lenken.


7. Die Serie „Lumina“ markiert eine sehr persönliche, fast spirituelle Wendung in deiner Arbeit. Was hat dich zur Lichtmalerei gebracht – und was drückst du damit aus?

Ralf Eyertt:
Lumina ist aus dem Wunsch entstanden, die Zeit zu verlangsamen. Nach vielen Jahren im Produktionsmodus wollte ich Licht nicht nur als Mittel, sondern als Ausdruck verwenden – wie einen Pinsel. Ich arbeite mit Langzeitbelichtungen und bewege das Licht bewusst um den Körper. Es entsteht eine meditative, fast sakrale Stimmung. Für mich sind das visuelle Gebete – zwischen Sichtbarkeit und Gefühl.


Puppet Shooting with Coleen Hunter and Reslie Mundwiler

8. Du hast einmal gesagt, dass dir heute Authentizität wichtiger ist als Perfektion. Hat sich dadurch dein Verhältnis zu deinen Models verändert?

Ralf Eyertt:
Definitiv. Ich habe gelernt, dass die stärksten Bilder entstehen, wenn echte Verbindung da ist. Früher war alles auf das perfekte Bild fokussiert – heute geht es mir um echte Momente. Ich nehme mir mehr Zeit, höre zu, beobachte. Wenn Menschen sich öffnen dürfen, entsteht etwas Tieferes. Ein echtes Lächeln, ein stiller Moment – das ist für mich Magie.


9. In Projekten wie „The Aquarium“ oder dem Editorial mit Vivienne und Gisele Oesch ist Co-Kreation ein zentrales Element. Wie wichtig ist Zusammenarbeit für dich?

Ralf Eyertt:
Sie ist essenziell. Fotografie ist nie eine Einzelleistung – es ist immer ein Dialog. In The Aquarium haben wir mit Licht und Wasser als symbolischen Ebenen gearbeitet. Mit Vivienne und Gisele Oesch war es ein wunderbares Zusammenspiel – unterstützt durch das Styling und Make-up von Anne Naumann. Wenn alle Beteiligten ihre kreative Energie einbringen, entsteht etwas, das keiner allein hätte erschaffen können.


10. Deine Arbeiten erscheinen in Magazinen von Vogue Deutschland bis Malvie. Was glaubst du, macht deine Bildsprache für so viele Plattformen interessant?

Ralf Eyertt:
Ich denke, es ist die emotionale Klarheit. Meine Bilder sind visuell stark, aber nie oberflächlich. Ich versuche, Tiefe spürbar zu machen – sei es in einem Beauty-Shooting oder einer künstlerischen Arbeit. Diese Balance scheint sowohl Redaktionen als auch Leser:innen anzusprechen. Ich bin dankbar, dass meine Ästhetik auf so vielen Ebenen funktioniert.


11. Du arbeitest derzeit an einem Bildband über Landschaft, Identität und Form. Kannst du mehr über das Konzept verraten?

Ralf Eyertt:
Der Bildband ist eine stille Reflexion über Präsenz – menschliche und landschaftliche. Ich kombiniere Porträts, abstrakte Lichtmalereien und Naturaufnahmen aus Bayern und der Schweiz. Mich interessiert, wie Raum Identität prägt – und wie Licht Form in Emotion verwandelt. Leser:innen dürfen sich auf eine poetische, reduzierte Bildsprache freuen.


12. Nach so vielen Jahren Erfahrung: Was begeistert dich heute noch an deiner Kunst – und was möchtest du künftig noch ausdrücken?

Ralf Eyertt:
Mich faszinieren heute die leisen Töne – das, was bleibt, wenn alles Überflüssige verschwindet. Ich möchte mich noch stärker mit Themen wie Alter, Verletzlichkeit und Wahrhaftigkeit beschäftigen. Es gibt noch so viel zu entdecken – zwischen Licht und Schatten, zwischen Menschen. Vor allem aber möchte ich mich weiterhin überraschen lassen. Vom Licht. Vom Gesicht. Vom Moment.

Das Magazin ist hier erhältlich  https://www.magcloud.com/browse/issue/3154103

eyertt

Mein Name ist Ralf Eyertt und ich bin der Initiator dieses Magazins.
Mein Fotografen Profil befindet sich unter http://ralf.eyertt.de

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